Argentinien – Abschied des selbsternannten Favoriten

Nun freuen wir uns aber. Was ist das für eine großartige WM! Frankreich, Italien, England – jetzt sogar Brasilien! Also, die alle sind… weg! Außer Landes! Ja, sogar außer Kontinents! Zuhause! Im Urlaub, wo auch immer!
Unfassbar! Schön! Reisende soll man nicht aufhalten. Wer nicht will, der hat schon. Früher Vogel fängt den Wurm. Wir rufen Euch nach: Erholt Euch gut! Und, im Falle der französischen Mannschaft: Erfolgreiche Resozialisierung!

Unglaublich. Diese Mannschaften sind schon alle… sozusagen… ausgeschieden. Worden. Aus dem Darmtrakt des Fußballs. Ohne, dass wir hätten als Verdauungsmittel eingreifen müssen. Wunderbar.

Ich bin ja nicht schadenfroh – aber das ist schön! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir einfach nur lange genug da bleiben müssen, dann haben sich alle anderen gegenseitig eliminiert und wir werden automatisch Weltmeister.

Was natürlich nicht ganz stimmt, denn für die oben genannten Teams sind ja andere geblieben. Teams, mit denen man allerdings doch eher nicht gerechnet hätte. Paraguay z.B. – das halten ja viel nicht für ein Land, sondern für eine Extremsportart. Und Uruguay – also, ehrlich, da hat mal ne WM stattgefunden. Aber im Halbfinale? Nee.

Zumal sie auch noch einen jubelnden Betrüger in ihren Reihen haben namens Suarez, der absolut unsportlich mit beiden Händen den Ball von der Linie pritscht und sich, nachdem der daraufhin verhängte Elfmeter verschossen wird, auch noch diebisch freuen und nach dem gewonnenen shoot out behaupten kann, alles richtig gemacht zu haben. Mögen Sie ihm bei Halbfinale, bei dem er selber wenigstens zuschauen muss, ein Nagelbrett auf seinen Sitz legen. Denn die letzte afrikanische Mannschaft im Turnier auf diese Art auszuschalten, war einfach unglaublich brutal. Darauf noch mal ein trauriges waka waka.

Aber dies ist eben die spezielle, fußballerische Art von Evolution, sozusagen Blatter-Darwinismus. Und machen wir uns nichts vor: Es waren ohnehin zu viele Mannschaften dabei. Ich musste letzte Woche nachts zweimal wieder aufstehen und auf der FIFA-Homepage nachsehen, wer eigentlich die Achtelfinalpartie am Samstag bestreitet. Ich wusste nicht, gegen wen Ghana spielt. Man hat doch angesichts des riesigen Teilnehmerfeldes echte Kapazitätsprobleme. Und nach dem Favoritensterben wird sicher seitens der großen Verbände der Druck größer, die kleinen Länder sich doch wieder wie früher bereits gegenseitig in der Qualifikation ausschalten zu lassen.

Apropos Qualifikation, apropos kleine Länder: Argentinien. Die sind noch da. Noch ungefähr fünf Stunden. Nein, wir wollen nicht arrogant sein – aber diese Kokstruppe hat sich ja nur mit Not überhaupt zur WM geschleppt. Und muss ohne Trainer antreten. Die haben ja nur diese Mischung aus Gabriel Garcia Marquez, Fidel Castro und Wolfgang Thierse an der Linie. Die sollten zu schlagen sein. Und zur Not, wenn sich jetzt kein anderer findet, machen wir das eben selber. Hat ja sonst auch geklappt.

Tut mir leid, bei aller Liebe: Ich will, dass dieses filzbärtige Marzipanschweinchen wieder seine Spieler umarmt – aber diesmal heulend.
Er soll gesagt haben, Gott hätte ihn geschickt, um den Titel nach Argentinien zu holen. Ich sage: Das hast Du schon. Du hast die Botschaft mal wieder nicht verstanden, Diego. Das ist lange her! Diesmal gewinnt die sympathischste Mannschaft mit dem erfrischendsten Fußball und dem besten Trainer. Und, na, wer ist das? Wen hat Gott diesmal geschickt, um den Titel zu holen? Und wohin? Na? Gut, Diego, wer nicht will, der hat schon. Noch fünf Stunden, dann wirst Du verstehen, was ich meine. You live – you learn.

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