Argentinien – Abschied des selbsternannten Favoriten

03. Juli 2010

Nun freuen wir uns aber. Was ist das für eine großartige WM! Frankreich, Italien, England – jetzt sogar Brasilien! Also, die alle sind… weg! Außer Landes! Ja, sogar außer Kontinents! Zuhause! Im Urlaub, wo auch immer!
Unfassbar! Schön! Reisende soll man nicht aufhalten. Wer nicht will, der hat schon. Früher Vogel fängt den Wurm. Wir rufen Euch nach: Erholt Euch gut! Und, im Falle der französischen Mannschaft: Erfolgreiche Resozialisierung!

Unglaublich. Diese Mannschaften sind schon alle… sozusagen… ausgeschieden. Worden. Aus dem Darmtrakt des Fußballs. Ohne, dass wir hätten als Verdauungsmittel eingreifen müssen. Wunderbar.

Ich bin ja nicht schadenfroh – aber das ist schön! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir einfach nur lange genug da bleiben müssen, dann haben sich alle anderen gegenseitig eliminiert und wir werden automatisch Weltmeister.

Was natürlich nicht ganz stimmt, denn für die oben genannten Teams sind ja andere geblieben. Teams, mit denen man allerdings doch eher nicht gerechnet hätte. Paraguay z.B. – das halten ja viel nicht für ein Land, sondern für eine Extremsportart. Und Uruguay – also, ehrlich, da hat mal ne WM stattgefunden. Aber im Halbfinale? Nee.

Zumal sie auch noch einen jubelnden Betrüger in ihren Reihen haben namens Suarez, der absolut unsportlich mit beiden Händen den Ball von der Linie pritscht und sich, nachdem der daraufhin verhängte Elfmeter verschossen wird, auch noch diebisch freuen und nach dem gewonnenen shoot out behaupten kann, alles richtig gemacht zu haben. Mögen Sie ihm bei Halbfinale, bei dem er selber wenigstens zuschauen muss, ein Nagelbrett auf seinen Sitz legen. Denn die letzte afrikanische Mannschaft im Turnier auf diese Art auszuschalten, war einfach unglaublich brutal. Darauf noch mal ein trauriges waka waka.

Aber dies ist eben die spezielle, fußballerische Art von Evolution, sozusagen Blatter-Darwinismus. Und machen wir uns nichts vor: Es waren ohnehin zu viele Mannschaften dabei. Ich musste letzte Woche nachts zweimal wieder aufstehen und auf der FIFA-Homepage nachsehen, wer eigentlich die Achtelfinalpartie am Samstag bestreitet. Ich wusste nicht, gegen wen Ghana spielt. Man hat doch angesichts des riesigen Teilnehmerfeldes echte Kapazitätsprobleme. Und nach dem Favoritensterben wird sicher seitens der großen Verbände der Druck größer, die kleinen Länder sich doch wieder wie früher bereits gegenseitig in der Qualifikation ausschalten zu lassen.

Apropos Qualifikation, apropos kleine Länder: Argentinien. Die sind noch da. Noch ungefähr fünf Stunden. Nein, wir wollen nicht arrogant sein – aber diese Kokstruppe hat sich ja nur mit Not überhaupt zur WM geschleppt. Und muss ohne Trainer antreten. Die haben ja nur diese Mischung aus Gabriel Garcia Marquez, Fidel Castro und Wolfgang Thierse an der Linie. Die sollten zu schlagen sein. Und zur Not, wenn sich jetzt kein anderer findet, machen wir das eben selber. Hat ja sonst auch geklappt.

Tut mir leid, bei aller Liebe: Ich will, dass dieses filzbärtige Marzipanschweinchen wieder seine Spieler umarmt – aber diesmal heulend.
Er soll gesagt haben, Gott hätte ihn geschickt, um den Titel nach Argentinien zu holen. Ich sage: Das hast Du schon. Du hast die Botschaft mal wieder nicht verstanden, Diego. Das ist lange her! Diesmal gewinnt die sympathischste Mannschaft mit dem erfrischendsten Fußball und dem besten Trainer. Und, na, wer ist das? Wen hat Gott diesmal geschickt, um den Titel zu holen? Und wohin? Na? Gut, Diego, wer nicht will, der hat schon. Noch fünf Stunden, dann wirst Du verstehen, was ich meine. You live – you learn.

Nur Italien nicht – das Video zur Heimreise.

01. Juli 2010

Der Blatter Sepp und die Schiedsrichter

29. Juni 2010

Dies ist eine WM der Schiedsrichter. Sie stehen diesmal wirklich im Mittelpunkt. Und nicht nur, weil sie die auffallendsten Trikots tragen (im Icke – Häßler – Design von 1990). Nein, sie bringen eine Menge Spannung in die Partien. Bzw. beseitigen sie, wie bei den ersten beiden Achtelfinalbegegnungen. Man weiß nie, was sie warum wann tun werden. Diese Referees sind nicht unparteiisch, sie sind unberechenbar. Immerhin: Ein Korruptionsverdacht kann da nicht aufkommen. Ein solch unorthodoxes Pfeifverhalten würde auch den hartgesottetsten asiatischen Zocker zum Wahnsinn treiben. Oder in den Ruin…

Wie in vielen Bereichen der globalen Wirtschaft wird nun in einer komplexen Situation sofort eine Professionalisierung gefordert. Wir Deutschen wissen aufgrund unserer Erfahrungen mit der FDP: Nicht alle Probleme werden gelöst, wenn jemand in die Hauptberuflichkeit befördert wird. Das allein kann es nicht sein, es gehört auch Talent dazu. Oder eine Form von Kompetenz.

„Warum nur, warum tun die das?“ fragt sich daher die Welt angesichts der teilweise unterirdischen Leistungen der Referees bei dieser WM. Liegt es an ihrer Herkunft (Mali, Seychellen, Spanien)? An ihrer Ausbildung (Sparkasse Landshut)? Oder, ohne eine neuerliche Debatte über Homophilie lostreten zu wollen: Sind viele der Schiedsrichter vielleicht in Wahrheit Frauen, die es bekanntlich einfach immer wieder schaffen, absolut inkonsequent zu handeln? Frauen, die zu ihrem Unglück gefangen sind beispielsweise im Körper eines dicklichen Konzertpianisten mit Pfeife? Dessen gebährfreudiges Becken und Kunsthaar boten ja schon oft Anlaß zu Spekulationen jeder Art. Und es kann ja nicht sein, daß so viele Menschen ihre wahre Identität verleugnen müssen zugunsten eines hochgezüchteten Sports! Das ist diskriminierend!

Andere führen das Verhalten der Schiedsrichter aber ohnehin eher auf eine Art Berufskrankheit zurück, eine mentale Deformation. Sozusagen ein „Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom“. Ein Per Mertesacker beispielsweise erhält momentan durch seine permanenten Querschläger ja wesentlich mehr Zuneigung, als wenn er diskret und solide verteidigt hätte wie eh und je. Davon wiederum profitiert auch Arne Friedrich, da er sich als der doppelte Innenverteidiger präsentieren kann, den er notgedrungen mangels Mitspielern auch schon beim Absteiger Hertha geben musste. Eine win – win – Situation. Noch.

Wenn schon die Spieler in dieser leicht abwegigen Form nach Liebe schreien, dürfen das natürlich auch die Schiedsrichter. Es verstünde zumindest jeder, wenn einem der Zwang zur ewigen Neutralität auch mal auf die Nerven ginge. Du sollst als Referee Deine Herkunft verleugnen, Dich für soziale Zwecke engagieren, gut aussehen, sportlich sein, zwölf Sprachen sprechen und einen sympathischen Eindruck machen. Und dann wirst Du trotzdem ständig angemeckert, bist an allem schuld, obwohl man Dich ja gleichzeitig permanent arglistig zu täuschen versucht – und die Spieler rauschen in ihrem Cabrio vom Gelände, während Du nach dem Spiel in einen französischen Kastenwagen einsteigst, der noch nach den verfaulten Bananenresten Deiner Kinder stinkt, um zur Jugendherberge zu fahren, während sich die Funktionäre wiederum beim Cocktail auf der Terrasse ihrer Luxushotelanlage fragen, was denn heute wieder mit Dir los war.

Apropos Funktionäre: Die Lage im Schiedsrichterwesen ist wirklich dramatisch, wenn sogar, wie heute geschehen, der FIFA-Vorsitzende Sepp Blatter eine Diskussion über technische Hilfsmittel fordert. Der Schweizer ist ja nicht unbedingt für seine Innovationskraft bekannt, eher im Gegenteil. „Technische Hilfsmittel“, damit meint er natürlich nicht eine elektrischen Zahnbürste oder einen Rollator mit Tacho. Er meint auch nicht das, woran manch eine Leserin jetzt spontan errötend denken mag, nein. Die Rede ist von Videobeweisen und In-Ball-Chips, als Hilfestellung für die Unparteiischen. Damit ausgeschlossen werden kann, daß irreguläre Tore fallen und reguläre nicht anerkannt werden. Bisher war der Blatter Sepp immer der Auffassung, die Fehler der Schiedsrichter gehörten doch zum Sport. Aber seit heute steht er an der Spitze der Erneuerungsbewegung und fordert eine Revolution. Ist das nur Opportunismus oder bereits Demenz?

Ich würde allerdings noch weiter gehen und fordern: Abschaffung aller technischen Hilfsmittel für Funktionäre! Keine Freiflüge mehr zu den, ach, so wichtigen karibischen Landesverbänden! Keine Freifahrtscheine mehr beim Umgang mit korrupten Politikern! Keine Freikarten mehr für vorbestrafte Schwarzmarkthändler! Und vor allem: Keine Mikrofone mehr für diesen haarsträubenden Unsinn, den dieses blasierte Männlein permanent von sich gibt! Alle vier Jahre kriege ich sonst die längst überwunden geglaubte Krankheit, die nach diesem halbseidenen Zwerg benannt ist.

Ein echter Feiertag – Deutschland gegen England!

26. Juni 2010

Der Samstag ist theoretisch noch ein Werktag. Da arbeitet zwar kaum noch jemand, aber erholt wird sich ja auch nicht. Es wird der Großeinkauf erledigt, das Auto gewaschen oder der wöchentliche Ehestreit abgewickelt. Auch Sonntage sind schon lange keine Feiertage mehr, es ist zwar frei, aber der normale Mensch grabbelt denn doch im Garten rum, macht seine Steuer oder hängt sinnlos vor der Glotze ab und schaut sich Ritterfilme an. Das ist das Ergebnis unserer angeblich aufklärerischen und doch oftmals nur nivellierenden Zeit.

An diesem Wochenende ist das anders. Der Samstag steht unter dem Vorzeichen des großen Spieles, es wird der Getränkebestand überprüft, das am Mittwoch durchgeschwitzte Trikot zum Trocknen aufgehängt, der Grill wird gereinigt und die Fahne kontrolliert. Gelegentlich schaut man hinüber zum Bildschirm, Uruguay gegen wen auch immer. Aber heute könnte auch Argentinien gegen Brasilien spielen, niemand nähme wirklich anteil.

Aber am Sonntag wird dann wirklich gefeiert. Still wird der Tag beginnen, dennoch voller Spannung und Unruhe. Der eine oder andere wird einen Gottesdienst besuchen, um nichts unversucht zu lassen. Andere meinen dasselbe zu erreichen, in dem sie bestimmte Kleider zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Reihenfolge an- und sich dann aber doch noch dreimal umziehen.

Denn spätestens mittags werden wir nervös, zum Kochen kommt man nicht. Es kann aber ohnehin keiner wirklich essen. Oder es gar geniessen. Wir schlingen lediglich irgendwelche Nudeln herunter, um nicht bereits vor dem Anpfiff einem Kreislaufkollaps zu erliegen. Die Spannung überträgt sich: Die Kinder kratzen sich gegenseitig die Augen aus. Ich zeige ihnen zur Ablenkung Bilder von Rooney. Die sie daraufhin beginnen mit Dartpfeilen zu malträtieren. Wo haben sie die her? Egal.

Keinen Kaffee. Das macht nur noch nervöser.

Die Gäste trudeln ein. Kurzer Blickkontakt: Keine Briten dabei. Alle sehen gut aus.

Und dann geht es los.
16 Uhr.
Showtime.

Die three lions.
Auf dem Silbertablett.
Das macht Appetit.

Und anschliessend (gegen 18.30 h): Grillen, trinken, singen.
Es wird ein traumhaft schöner Tag. Bestimmt. Ein echter Feiertag.

Die italienische Nationalmannschaft

25. Juni 2010

Wer es noch nicht gesehen hat:

Eines der schönsten Fußballvideos.

http://www.youtube.com/watch?v=sJQQwRxPHI8


Ihr könnt nach Hause fahr´n – oder Ciao, Bella, Ciao!

25. Juni 2010

Heute fühle ich mich wie eine Bäckereifachverkäuferin. Ich frage: „Wer bekommt als nächstes?“ Denn die Mannschaften gehen weg wie warme Semmeln. Wobei das nicht als homophobe Anspielung zu verstehen ist, liebe sensible Freunde aus Südeuropa.

Es ist einfach ein herrliches Domino-Spiel. Klipp Klapp, Frankreich, klipp, klapp, Italien, klipp, klapp, die Dänen… Gut: Die Nordkoreaner werden zwar als Mannschaft ausscheiden, aber die Spieler bleiben trotzdem. Allerdings wird Kim Yong-Il sicherlich wieder chinesische Schauspieler finden, die diesmal nicht den nordkoreanischen Fanblock darstellen, sondern den glücklich nach Hause fahrenden Kader. Aber an der Gangway steht niemand und ruft: „Ihr! Dürft! Nach! Hause fahr´n…“. Angeblich hat der Despot ja nach dem vierten Gegentor gegen Portugal einfach die Übertragung ausschalten lassen. Das hätte ich mir beim Halbfinale 2006 auch gewünscht… Oder noch besser: Man schaltet das Spiel aus und lässt die Übertragung weiterlaufen!

Gute Reise jedenfalls, Euch allen. Es war schön, so lange es dauerte. Und im Falle Italiens: Danke für den tollen Tag gestern. Das war beste Unterhaltung! Vor allem der Dreier im Tornetz hat mir gefallen. Das war großes Kino: Eine Mischung aus „König der Fischer“ und „Der Pate“: Zwei depressive Angler versuchen, der slowakischen Mannschaft einen abgeschnittenen Torwartkopf ins Netz zu legen. Toll!

Ja, und wer steht im Gegensatz zu den oben genannten Mannschaften wie eine Eins? Nein, nicht Manuel Neuer. Der rennt ja immer hektisch durch die Gegend wie eine Nummer elf. Holland steht wie eine Eins. Holland! Neun Punkte. Souverän. Und das ohne Robben. Und Argentinien – neun Punkte. Und das ohne Trainer. Das ist ja eher ein Maskottchen, dieser Mann, von dem man nie weiß, ist es die Hand Gottes oder doch eher das Nasenloch. Nur wegen der Haare natürlich…

Wir Deutschen haben das Achtelfinale unsererseits nicht ganz ruckelfrei erreicht. Und treffen auf unsere engsten Freunde. Das wird schön! Gerade, wenn es mal nicht so läuft, muss man ja zusammenrücken. Wir können die Vorzüge der britischen Küche genießen und im Gegenzug profitieren die Insulaner von unserem Erfahrungsvorsprung mit Liberalen in der Regierung. Eine sogenannte win – win – Situation.

Wirklich: Ich gehe fest davon aus, daß wir am Sonntag Spaß haben werden. Wir haben uns alle nichts vorgenommen – und zwar bis 18.30 h. So viel Zeit muss sein! Vor den Engländern habe ich keine Angst, ehrlich. Wieso sollte man sich vor einem Land fürchten, in dem es nach 23 Uhr keinen Alkohol mehr gibt?

Bei Argentinien sieht die Sache anders aus. Wäre dann ja im Viertelfinale unser Gegner. Sportlich sind wir da durchaus ebenbürtig – ich habe einfach nur Angst davor, daß es eben doch nicht reichen könnte und wir hinterher ertragen müssen, wie dieses bekokste Frettchen jubelnd durch unseren Fernseher hüpft.

Daher wäre ich auch recht erfreut, wenn Mexiko uns die Arbeit abnehmen könnte, wenn sie die Sache sozusagen erstmal unter sich zu regeln versuchen.

Wir können dann ja später dazukommen.

Nur Italien Nicht

24. Juni 2010

Zunächst aus nahe liegendem Anlaß ein Wort zu Italien: Schönes Land!

Und nun zu den wirklich wichtigen Themen: Das Sparpaket. Der Außenminister. Die Ölpest.

War nur ein Scherz. Und gelegentlich schreibt das man besser dazu…

Der eine oder andere wird verfolgt haben, daß das Video zu „Nur Italien nicht“ vom Netz genommen wurde. Grund dafür waren die extremen Anfeindungen insbesondere aus dem nichtdeutschsprachigen Raum, in dem dieses Lied von den Medien als aggressive und volksverhetzende Hymne verbreitet wurde. Dies entsprach nicht nur nicht der Intention der Komponisten und Interpreten, es übertraf bei weitem das Vorstellungsvermögen aller Beteiligten.

Eine absurde Situation: Alle kennen und schätzen Italien und seine Bewohner. Es ist ein herrliches Land, in dem das Wetter meistens besser ist als bei uns, die Menschen fröhlicher und besser gekleidet. Vom Essen ganz zu schweigen. Noch zahlreiche weitere positive Attribute ließen sich finden. Was niemand sich vorstellen konnten: Daß ausgerechnet Deutsche mehr Humor zeigen als ihre europäischen Freunde aus dem Süden. Respekt. Das konnte niemand erwarten.

Zudem ging es doch nur um Fußball. Und um den kann es jetzt auch wieder gehen. Schließlich haben wir Deutschen ein Elfmeterschießen zu erwarten. Auf das wir uns natürlich freuen, wie die Nudeln auf das Öl. Ob Italien dagegen eine Runde erreicht, in der es überhaupt zu Verlängerungen kommen kann, darf als völlig offen bezeichnet werden. Schließlich haben die Slowaken einen ausgezeichneten Sturm, der die beiden bisherigen Partien noch weitestgehend unbeteiligt verbringen und sich für das entscheidende Spiel heute schonen konnte. Paraguay ist für die Squadra Azzura ohnehin eine Nummer zu groß. Es reichte bekanntlich noch nicht mal zu einem Erfolg gegen den Fußball – Rookie Neuseeland. Die Kiwis ihrerseits machten und machen aber auch keinesfalls den Eindruck, als wären sie jetzt zufrieden. Deren Abwehrspieler mussten ja noch Stunden nach Spielende gewaltsam von ihren italienischen Gegenspielern getrennt werden, teilweise mit der Flex.

Das entscheidende Problem aber der Italiener heute: Der Schiedsrichter ist englischer Polizist und darf als zumindest schwer zugänglich bezeichnet werden. Allerdings wird Fallobst De Rossi sich womöglich auch darauf vorbreitet haben. Aber ob das reicht?

Mehr als Tabellenplatz 2 ist keinesfalls drin. Dann wäre Holland der Gegner, eine der bisher stärksten Mannschaften des Turniers. Sportlich gesehen wäre dies ein ungleiches Aufeinandertreffen.

Beim unwahrscheinlichen Fall des Gruppensieges allerdings ginge es gegen Japan. Der einzige WM-Teilnehmer, der den Italienern sowohl kulinarisch, als auch philosophisch, technisch, klimatisch – und vor allem auch körperlich überlegen ist. Da wäre ein Ausscheiden vorprogrammiert.

So oder so: Humor wird bald dringend benötigt. Aber den kann man ja zur Not importieren.

WM – Favoriten sterben – und andere auch…

23. Juni 2010

Zunächst aus nahe liegendem Anlaß ein Wort zu Italien: Schönes Land!

So, und nun zu den wirklich wichtigen Themen: Das Sparpaket. Der Außenminister. Die Ölpest.

War nur Spaß. Es gibt weltweit momentan nur ein Thema: Die Fußball-Weltmeisterschaft. Und dort sind jetzt die Tage der Entscheidung, Spreu und Weizen werden getrennt, Hopfen und Malz kommen zusammen. Und nicht nur im Magen.

Alle fragen sich ja jetzt, wer übrig bleibt. Und warum. Warum sich vor allem die Favoriten vielfach so schwer tun. Nun, Rudi Völler hat es a schon vor Jahren gesagt: „Es gibt keine kleinen Länder mehr!“ Und damit meinte er nicht das Saarland. Was er sagen wollte, war, daß die Welt zusammenwächst und aufgrund der Kontinentalverschiebung auch Staaten mit geringer Grundfläche…. Nein, das meinte er wohl nicht. War Globalisierung sein Thema? Hm… Nein, ich glaube, er war einfach sauer, weil wir gegen einen sog. Zwerg nur ein 1:1 geholt hatten oder dergleichen. Zwerg – das klingt nach Markus Marin….

Man tut sich schwer, wir Deutschen haben uns selbst gequält, die Engländer ihre Fans, die Franzosen haben kollektiven Selbstmord begangen, Brasilien hat das Regelwerk gedehnt und die Italiener das Textil. Jeder trägt sein Kreuz.

Und auch, wenn das spielerische Niveau nicht sonderlich hoch ist: spannend ist es dadurch natürlich. Dazu tragen ja auch die Schiedsrichter mit ihren teilweise hochgradig eigenwilligen und das Spiel extrem belebenden Entscheidungen bei. (s. Blog vom 21.06.). Wollen wir hoffen, dass Carlos Simon sich heute abend dort nicht einreiht. Bzw., daß Theo Zwanziger diesmal den Koffer im Schrank des richtigen Unparteiischen vergessen hat. Ich freute mich schon, wenn unsere junge und spielerisch frische Mannschaft weiterkommt. Andererseits wäre ich auch bereit, ein Opfer zu bringen, damit wenigstens EINE afrikanische Mannschaft das Achtelfinale erreicht. Z.B. auf Serbien würde ich persönlich dort durchaus verzichten können.

Aber irgendwie mache ich mir schon Sorgen. Seit gestern fühle ich mich mittags um 13.30 h schon so leer….  Bis 16 Uhr. Und dann ab jetzt zwei Spiele gleichzeitig.  Man verpasst was! Man kriegt Entzugserscheinungen. Schon jetzt! Das macht mir Angst. Ich befürchte, daß ich im Juli aufwache und bin zwar Weltmeister, aber das Öl schwappt mittlerweile in den Wannsee, Westerwelle hat den USA deswegen den Krieg erklärt und man hat allen Bundesbürgern ihre Konten gesperrt, um Spanien aus der Krise helfen zu können – aber: egal! WM ist WM!

WM – Zu Gast im Zirkus Minimus

21. Juni 2010

Dies ist eine WM der Schmerzen. Die Zuschauer leiden angesichts doch etlicher eher unattraktiver Spiele, die Favoriten quälen sich gegen die angeblichen Underdogs, die Afrikaner leiden, da sie wohl erneut kein Team in die K.O.-Runde bringen werden, die Trainer leiden mit den verletzten (Robben) und anfälligen (de Rossi) Spielern, die Mannschaften wiederum kämpfen mit den Witterungsbedingungen und den Platzverhältnissen und und und…

Nicht zu vergessen das geradezu unmenschliche Leiden von Miro Klose (s. Blog vom 20.06.).

Und, zugegeben: Bei der einen oder anderen Partie überwiegt der zirzensische Effekt – es erstaunt und belustigt beispielsweise bestimmt viele Menschen, wenn sie sehen dürfen, wie ein Schiedsrichter aus Mali die Welt und insbesondere ein Fußballspiel erlebt. Aber muß man das während einer WM zeigen?

Es ist auch von gewissem Unterhaltungswert, wenn ein Spieler gegen einen anderen läuft, sein Brustbein mit dessen Ellenbogen kollidiert, er daraufhin mit einem Schmerzensschrei zusammenbricht und sich das Gesicht hält. Eine neue Gattung ist entstanden: Die Ellenbogenchecksimulation.

Menschen, Tiere, Sensationen! Darunter muß gelitten werden: Man will ein Fußballturnier miterleben und landet stattdessen in einem zweitklassigen Zirkus, voller Selbstdarsteller, Drahtseilartisten, Feuerspucker und Irrläufer.

Da liegen dann auch schnell die Nerven blank: Man kann einfach nicht sicher sein, sich wirklich auf sportlichem Wege durchsetzen zu können. Viele Fußballer fragen sich in Südafrika gerade: Was wird hier eigentlich gespielt?

Insbesondere die Schiedsrichter sind deshalb wieder zum Thema geworden. Während Miro Klose quasi für das bloße Laufen bestraft wird, können andere auf dem Spielfeld ihren Gegner schlachten und dann auch noch genüsslich zu einem Viergängemenü verarbeiten, ohne daß etwas passiert. Der eine darf in Basketballmanier den Ball quasi mit beiden Händen unsanktioniert in den Korb legen und wird anschließend auch noch höflich und rhetorisch vom Schiedsrichter angesprochen, es sei jawohl alles regelrecht zugegangen. Dagegen muss ein anderer tatenlos zusehen, wie sein Gegenspieler vor Schwäche zusammenbricht und von seiner Mannschaft für diese Leistung abgeklatscht wird, da er dafür einen Elfmeter erhält.

Dies ist ungerecht wie das Leben. Und würde es nicht letztlich doch immer die kleinen Länder entscheidend treffen, würde es mich auch nicht zornig machen. Aber vielleicht gelingt es der FIFA diesmal wenigstens, wieder einmal den Gastgeber ins Halbfinale pfeifen zu lassen. Das würde mich für Afrika mehr als freuen – und, da es auf Kosten von Frankreich ginge, entstünde ja kein Schaden. Die wollen ja ohnehin nicht mehr. 80% der französischen Bevölkerung befürworten das Ausscheiden ihrer Elf in der Vorrunde. Da kann man auf dem Platz ja entspannt auftreten, da hat man keinen Druck, da muss man auch nicht mehr trainieren.

Der Miro

20. Juni 2010

Zugegeben: Der Stachel sitzt tief, so tief wie unser protestantisch-preußisches Gerechtigkeitsempfinden: Den unschuldig, um nicht zu sagen: naiven Miro Klose per gelb-roter Karte verloren zu haben, das macht tieftraurig und wütend.

Ausgerechnet Klose! Der läuft so niedlich, achtet mal auf seine Hände! Zuhause häkelt er bestimmt auch. Und er guckt so süß! Der kann doch einer Fliege nichts zuleide tun! Es gibt ja sogar Leute, die behaupten, der Ex-Lauterer, Ex-Werderaner und Jetzt-Bayer träfe nicht mal aus zwei Metern eine Garage. Wie soll der Mann dann foulen, zudem einen sich auch noch bewegenden Serben? Und das auch noch mehrmals?

Oder war das der Grund – er hat die Jungs schlicht nicht gesehen, hatte nur Augen für den Ball? Wir werden es vielleicht eines Tages erfahren. Allüberall wurden ja auch Oliver Kahns übermenschliche Leistungen im Tor der deutschen Mannschaft während der WM 2002 bewundert, mittels derer er quasi im Alleingang unsere Elf ins Finale brachte. Erst hinterher erfuhr man von seiner schweren Augenkrankheit und man verstand, warum er die unhaltbaren gehalten hat: Er hat sie gar nicht kommen sehen! Besonders tragisch, da Kahns einziger Fehler im Finale den Titel kostete, den zu ergreifen die Chancen durch die Nicht-Teilnahme Michael Ballacks am Endspiel so hoch waren wie noch nie…

Der von seinen Eltern (beide fanatische Kunstsammler) nach dem gleichnamigen spanischen Surrealisten Miro genannte Stürmer ist jedenfalls definitiv mehr als angeschlagen: Grauenhaft waren die Bilder, in denen er allein durch den Vorgarten des Mannschaftshotels schlich, deprimiert den Boden, die Sträucher, vielleicht gar das Unkraut fixierend, wohl auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung für sich am nächsten Mittwoch abend. Sein Gesicht spiegelte die Frage wieder: Jäten? Mähen? Gießen? Den Garten umpflügen? Frei nach Rolf Rüssmann: „Wenn ich schon gesperrt bin, trete ich denen wenigstens die Rabatten kaputt?!“ Das zu sehen tat weh.

Aber schon vorher wirkte Klose extrem mitgenommen: Statt Torsaltos jubelte er nach seinem Treffer gegen die USA im Rutschen. Und sogar seine einstudierte  Gehörlosengestik wirkte arg verrenkt. Da bestand Verletzungsgefahr. Ohnehin muss man das Tor zumindest teilweise ja Lahm zurechnen, der den gebürtigen Polen im Flug derart scharf beschossen hat, daß der Ball nur in eine Richtung prallen konnte: Ins Netz. Wer da wessen Flugbahn berechnet hat, kann man nur erahnen…

Im Anschluß hielten sich die beiden wahrscheinlich auch deshalb so lange im Arm, weil sie  die Schuldfrage klären wollten. Befragt ob ihres Gesprächsinhaltes verweigerten allerdings beide die Aussage und behaupteten, sie könnten sich nicht mehr erinnern. Nun, vielleicht war es auch wirklich ein sinnloses Gespräch, da sie sich durch den Vuvuzela-Lärm gar nicht verstehen konnten. Was den Miro aber nicht davon abhielt, auf der Pressekonferenz zu betonen, daß es unabhängig vom Inhalt auch einfach ein gutes Gefühl gewesen sei, den Philipp im Arm zu halten. Was Clemens Fritz wohl dazu sagt?

Ich teile jedenfalls die Meinung, daß es schöner ist, wenn nicht oder nur unverständlich gesprochen wird während einer Umarmung. Brummgeräusche oder dergleichen dagegen erzeugen ein Wohlgefühl. Jetzt dürfen wir am Mittwoch gegen Ghana Gomez erwarten. Oder Cacao. Was die wohl für Geräusche machen, wenn man sie trifft?